zur Hauptnavigationzum Inhalt

Verhaltenstherapie bei Zwangsstörungen

Herr L., ledig, 35 Jahre, sucht wegen eines ausgeprägten Waschzwanges (mehrmals täglich ritualisiertes Händewaschen, das jeweils bis zu 1 Stunde dauern kann) und eines Kontrollzwanges (Kontrolle sämtlicher elektrischer Geräte, Wasserhähne und auch Fenster, sowie ein nach bestimmten Regeln ablaufendes Kontrollritual der Eingangstür beim Verlassen der Wohnung) eine Verhaltenstherapeutin auf.

Am Beginn jeder verantwortungsvoll durchgeführten Verhaltenstherapie steht eine genaue Analyse jener Bedingungen, die für die Entstehung und Aufrechterhaltung der Zwangsstörung in betracht gezogen werden können. Diese ursächlichen und aufrechterhaltenden Funktionen reichen von veranlagungsbedingter erhöhter Angstbereitschaft, erhöhter Irritierbarkeit, erniedrigtem Selbstwertgefühl und sozialen Ängsten und Defiziten bis hin zu einer Vielzahl psychosozialer Variablen wie Erziehungsstil in der Schule oder im Elternhaus, Sozialisierung unter Gleichaltrigen in Kindheit und Jugend, psychischer Traumatisierung und auch gesellschaftlichen und kulturellen Normen.

Gemeinsam mit dem Betroffenen wird im Zuge der Therapie eine Entscheidung für eine vorrangige Ursachentherapie oder eine Symptomtherapie getroffen. Eine Ursachentherapie würde eine Bearbeitung der zugrundeliegenden Problembereiche (z.B. soziale Ängste, soziale Defizite, Umgang mit Gefühlen, Partnerschaftskonflikte) bedeuten. Bei einer Symptomtherapie liegt der Schwerpunkt auf der Konfrontation mit jenen Situationen, Gegenständen und auch Gedanken, die Zwangshandlungen und/oder Zwangsgedanken auslösen; der dann eintretende kognitiv-emotional-physiologische Erregungszustand soll nicht (wie bisher) mit Zwangsverhalten beantwortet, sondern ertragen, hinterfragt, bearbeitet und neu bewertet (z. B. als vorübergehend angesehen) werden.

Die Verhaltenstherapie gilt heute, oft in Kombination mit medikamentöser Behandlung, als die Therapie der Wahl bei Zwangsstörungen - sowohl hinsichtlich einer gezielten Symptomreduktion, als auch hinsichtlich der Therapie der Ursachen und der (Rückfall)-Risikofaktoren in der Lebensführung. Die Langzeit-Erfolgsquoten für Verhaltenstherapie liegen zwischen 50-80%.

nach obenzur Hauptnavigationzum Inhalt