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Verhaltenstherapie bei Bulimia nervosa

Fr. L., ledig, 27 Jahre kommt in die verhaltenstherapeutische Praxis, weil sie seit 7 Jahren regelmäßig Essanfälle hat (1 bis 6 mal pro Tag). Aus Angst vor Gewichtszunahme erbricht sie dann absichtlich, manchmal nimmt sie auch Abführmittel. Normale Mahlzeiten kann sie schon lange nicht mehr essen, das schlechte Gewissen ist zu groß. Meist isst sie den ganzen Tag gar nichts. Schon mit 15 Jahren hat sie begonnen, Diäten zu machen, da sie sich immer zu dick gefühlt hat. Irgendwann hat sie die Kontrolle verloren und "Unmengen in sich hineingestopft". Fr. L. ist normalgewichtig. Sie hat einen großen Leidensdruck und schämt sich sehr für dieses Verhalten. Sie hat es so lange geheim gehalten weil es ist ihr peinlich ist, darüber zu sprechen.

Wie bei der Anorexia nervosa muss vor Beginn der Psychotherapie eine körperliche Schädigung (v.a. durch Erbrechen und Abführmittel) ausgeschlossen werden. Die Patientin muss motiviert werden, wieder normale Mahlzeiten zu sich zu nehmen, da ein Teil der Essanfälle durch Hunger entsteht.

Neben dieser Symptomtherapie werden jene Bedingungen genau analysiert, die für die Entstehung und Aufrechterhaltung der Bulimie herangezogen werden können. Patientinnen mit Bulimie haben häufig ein niedriges Selbstwertgefühl und erwarten sich durch eine Gewichtsabnahme mehr Akzeptanz und Selbstvertrauen. Auf der anderen Seite dienen die Essanfälle häufig als akuter "Problemlöser", da unangenehme Gefühle unterdrückt werden können. Um diese Bedingungen besser zu erkennen, hat sich das Führen von Tagebüchern sehr bewährt. Dabei werden die Situation, in denen die Essanfälle auftreten sowie die Gefühle und Gedanken, die mit der Situation verbunden sind, aufgeschrieben. Damit können z.B. dysfunktionale und schädliche gedankliche Schemata erkannt werden, die dann durch kognitives Umstrukturieren behandelt werden können.

Die kognitive Verhaltenstherapie gilt als Therapie der Wahl bei Bulimia nervosa und hat gute Langzeiterfolgsraten. Etwa 60% der Patientinnen erreichen eine dauerhafte (!) Remission der Symptomatik, weitere 20% eine deutliche Besserung.

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